
Vorhofflimmern ist eine ernsthafte Erkrankung. Unbehandelt kann diese Form der Herzrhythmusstörung lebensbedrohlich sein und zu einem Schlaganfall führen. Glücklicherweise stehen viele Maßnahmen zur Verfügung, mit denen man einer Erkrankung vorbeugen und sogar den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Eine wesentliche davon: ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken reduziert werden kann. Wesentlich dabei sind Veränderungen des Lebensstils, wie eine Gewichtsreduktion und die Steigerung der körperlichen Aktivität – besonders in Form von Ausdauertraining. Dieses wirkt nicht nur präventiv, sondern kann sogar die Symptome einer bereits bestehenden Erkrankung reduzieren und so den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
So lässt sich mit Hilfe sportlicher Aktivität nach einer Verödungstherapie des Vorhofflimmerns (Katheterablation) die Prognose verbessern. „Regelmäßige körperliche Aktivität und ein Normalgewicht sind ganz besonders wichtig, um kardiovaskuläre Risikokrankheiten in die Zange zu nehmen, die Vorhofflimmern begünstigen oder verursachen, allen voran Bluthochdruck, gefolgt von koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus und dem Schlafapnoesyndrom. Mit Bewegung lässt sich sehr effektiv starkes Übergewicht vermeiden, das Bluthochdruck und Vorhofflimmern begünstigt“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
Wieviel Bewegung ist nötig?
Laut Experten sollten Erwachsene und ältere Menschen über 65 Jahre 150-300 Minuten Ausdauertraining mit moderater Intensität durchführen. Das kann zügiges Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Ergometer-Training sein. Optional kann der Trainingsumfang auch 75 bis 150 Minuten pro Woche betragen, wobei hier die ausdauerorientierten Bewegungen etwas anstrengender sein sollten.
„Vorhofflimmerpatienten sollten ihre Trainingsdosis immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen“, rät Prof. Voigtländer, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses Frankfurt am Main. Denn bei Betroffenen, die Medikamente einnehmen, welche die körperliche Leistungsfähigkeit senken, müsse zuerst der optimale Trainingspuls angepasst werden.
Wer Sport zur Vorbeugung einsetzen möchte, sollte beim Trainingsumfang bedenken, dass bei moderater Ausdauerbelastung das Vorhofflimmerrisiko signifikant sinkt, wohingegen es bei häufiger intensiver Belastung eventuell steigen könnte. „Für Ausdauersport gilt die Faustregel: Bei sechs Stunden oder mehr an intensivem Ausdauertraining pro Woche kann bei Männern das Vorhofflimmerrisiko steigen“, erklärt Dr. med. Jonas Zacher, Diplom-Sportwissenschaftler und Sportmediziner mit Schwerpunkt Sportkardiologie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln.
Zusätzliches Krafttraining? Einige wissenschaftliche Studien zeigen, dass körperliches Training eine sinnvolle Behandlungskomponente für Menschen mit Vorhofflimmern ist. Die WHO empfiehlt eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Zusätzlich zum Ausdauertraining sollten Betroffene zwei Tage die Woche mit leichtem Hanteltraining oder funktionsgymnastischen Übungen die Muskulatur kräftigen. Bei Menschen ab 65 Jahren werden zudem dreimal pro Woche Gleichgewichts- und Koordinationsübungen zur Sturzprophylaxe empfohlen.
Regelmäßige moderate körperliche Aktivität reduziert im Vergleich zur Inaktivität das Risiko, Vorhofflimmern zu erleiden bei Frauen um ca. 10 %, bei Männern sogar um ca. 20 %.
Quelle: shape UP
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