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Langer Atem gefragt

Eine Metallklingenspitze und eine Tube mit orangefarbener Kappe liegen auf einem weißen Handtuch.

Vor allem im Frühling und Sommer ist Asthma-Zeit: Wer darunter leidet, wagt sich nur selten ins Fitnessstudio. Eine falsche Entscheidung. Denn mit dem richtigen Training kann man viel Gutes für seine Gesundheit tun.

Asthma gehört inzwischen in Deutschland zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Zehn Prozent aller Kinder unter 15 Jahren und fünf Prozent der Erwachsenen sind betroffen – rund vier Millionen Deutsche, 10 Prozent sogar mit schwerem Asthma. Das kann den Alltag ganz schön einschränken – an Sport wollen viele Betroffene da gar nicht erst denken. Denn viele Betroffenen machen bei körperlicher Anstrengung negative, manchmal gar bedrohliche Erfahrungen: Husten, pfeifende Atmung, Luftnot.

Nicht Abhilfe – gegen Asthma gibt es derzeit noch keine Therapie – aber Linderung der Symptome kann mit einem auf die Erkrankung zugeschnittenen Training erreicht werden. Denn ein regelmäßiges körperliches Training verbessert die Lungenfunktion und den Gasaustausch, steigert die Herz-Leistungsfähigkeit und die Sauerstoffnutzung in den Muskeln. Gerade mit einem Fitness-Training können Asthmatiker viel gegen die Erkrankung und noch mehr für die allgemeine Gesundheit tun. Denn:

  • Fitness-Training trainiert die Atemmuskulatur. Heißt: Die Peak-Flow-Werte verbessern sich.
  • Fitness-Training stärkt die Lungenfunktion. Heißt: Die Schwelle, bei der die Atemnot einsetzt, verschiebt sich nach oben.
  • Fitness-Training verbessert die Ausdauer.
  • Fitness-Training wirkt depressiven Stimmungen entgegen, unter denen viele an Asthma-Erkrankte leiden.
  • Und: Fitness-Training hilft zu entspannen.

Wer also regelmäßig trainiert, verbessert seine Lebensqualität und kann seine Beschwerden minimieren. Das belegt auch eine Studie der kanadischen Concordia-Universität. Sie stellte fest, dass Asthmapatienten, die regelmäßig trainieren, eine zweieinhalb Mal so gute Kontrolle über ihre Asthma-Beschwerden haben wie diejenigen ohne tägliche Bewegung. Konkret: Die Mediziner bildeten zwei Gruppen, die eine trainierte zweimal die Woche je 30 Minuten, die andere trainierte nicht. Nach drei Monaten wurden die Werte der beiden Gruppen verglichen. Ergebnis: Die Trainierenden waren im Monat circa 24 Tage symptomfrei – die sportfreie Kontrollgruppe nur an 16 Tagen.

Das richtige Training

Allerdings muss man auf die richtige Zusammenstellung der Trainingseinheiten achten. Nicht empfehlenswert sind Trainings mit kurzen und heftigen Belastungsphasen. Das könnte sogar kontraproduktiv sein und die Beschwerden verschlimmern. Die deutsche Atemwegsliga empfiehlt ein Training, dass „die gesamte Motorik verbessert. Eine höhere Qualität der Motorik hat einen geringeren Energiebedarf zur Folge und senkt damit die Gefahr einer Hyperventilation.

“ Wichtig ist, dass du vor dem Trainingsstart mit deinem behandelnden Arzt einen ergonomischen Belastungstest durchführst. Damit kann deine allgemeine körperliche Fitness sowie die Leistungsfähigkeit der Lunge festgestellt werden. Auf Grundlage dieser Testergebnisse kann dann deine Trainerin oder dein Trainer einen personalisierten Trainingsplan erstellen, der genau an deine Kondition und Belastungsfähigkeit angepasst ist. Wichtig dabei, dass die einzelnen Trainingseinheiten gleichmäßig belasten, also verändere nicht abrupt die Anstrengung.

Zu Beachten

Wenn du durch körperliche Überanstrengung regelmäßig Asthmaanfälle erleidest, solltest du vorbeugend ein Medikament mit bronchienerweiternden Wirkstoffen inhalieren. Beim Training selbst immer ein Notfallspray griffbereit halten. Vor dem Trainingsbeginn unbedingt eine Aufwärmphase einplanen. Ein „Kaltstart“ kann zu einer Verengung der Bronchien mit zunehmender Hyperventilation und Atemnot führen. Während des Trainings vermeide abrupte Wechsel zwischen Ruhe- und Belastungsphasen. Und nicht überanstrengen, das kann zu Atemnot, Hustenanfällen und Hyperventilation führen, dem sogenannten Belastungsasthma. Also immer kurze Entspannungsphasen in die Trainingseinheit einbauen.

Apropos Krafttraining: Auch damit stärkst du die Atemmuskulatur. Insbesondere das Training der Schulter-, Bauch und Rückenmuskulatur lindert Asthmaanfälle. Jede Trainingseinheit solltest du mit einer Cool-Down-Phase abschließen, also mit Atemübungen und etwas Gymnastik beenden, um den Kreislauf langsam wieder runterzufahren.

Sport ist wichtiger als Medikamente

Sportmediziner empfehlen dreimal die Woche ein Training bis 45 Minuten. Denn besser, du setzt auf mehr Wiederholungen bei mäßiger Intensität als auf wenige Trainings mit starker Belastung. Der Ulmer Pneumologe Dr. Michael Barczok und Autor des Buches „Luft nach oben: Wie richtiges Atmen stärker macht“ fasst seine Erkenntnisse so zusammen: „Zwar kann man die Lunge nicht trainieren, aber die Brustkorbmuskulatur erheblich ausbauen und die leicht entzündbaren Schleimhäute von Asthmatikern resilienter gegen Infekte und Erreger machen. Deshalb ist Sport noch wichtiger als Medikamente, um alltagstauglich zu bleiben.“

Übrigens: Was haben Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma, Leichtathletin Cathy Freeman und Schwimmer Mark Spitz gemeinsam? Sie alle sind Olympiasieger – und haben Asthma.

Quelle: shape UP
Bildquelle: TunedIn by Westend61 / shutterstock.com

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