
Wer abnehmen will, zielt in der Regel auf die Reduktion von Fettmasse ab. Durch Diäten oder Abnehmmedikation erzielter Gewichtsverlust geht – insbesondere bei Menschen mit Adipositas und vor allem im höheren Alter – zu etwa 20–30 % auf Kosten der Muskelmasse. Die Insulinsensitivität scheint hier eine Rolle zu spielen!
Studie – Januar 2025 (Bartholomew et al., 2025)
Die Rolle von Insulinsensitivität bei Veränderungen der fettfreien Masse während der Gewichtsabnahme mit oder ohne Training.
Das sind die Erkenntnisse
Da Muskelmasse durch Abnehm-Interventionen wie Diäten oder Abnehmmedikation fast immer mitverloren geht, stellt sich aus gesundheitlicher Sicht klar die Frage nach dem Sinn dieser Maßnahmen. Der Verlust der sogenannten aktiven Zellmasse sorgt nämlich dafür, dass der Stoffwechsel, besonders der Grundumsatz (Energieverbrauch in Ruhe) sowie Kraft und Leistungsfähigkeit sinken und die Wahrscheinlichkeit für andere Erkrankungen wie Sarkopenie und auch die erneute Gewichtszunahme (JoJo-Effekt) steigen.
Dem Muskelmassenverlust auf der Spur
Die US-amerikanische Studie eines Forschungsteams von der University of Alabama untersuchte 127 Frauen mit Übergewicht (BMI ca. 28 kg/m²) und teilte sie in drei Gruppen ein.
- Nur Diät (800 kcal/Tag, 21 % Proteinanteil im Essen)
- Diät + Ausdauertraining (z. B. Radfahren, Laufen, 3×/Woche, bis zu 40 Min bei 80 % HFmax)
- Diät + Muskeltraining (Ganzkörpertraining mit 80 % 1RM, 3×/Woche).
Untersucht wurden vor allem:
- die fettfreie Masse
- die Muskulatur von Armen und Beinen
- die Insulinsensitivität zu Beginn der Studie
Menschen mit besserer Insulinsensitivität verlieren bei Diäten weniger Muskelmasse
In der Studie zeigte sich: Je höher die Insulinsensitivität zu Beginn, desto geringer der Muskelmassenverlust – vor allem in der Nur-Diät-Gruppe. In den Trainingsgruppen war dieser Zusammenhang deutlich schwächer. Insulin ist nämlich mehr als nur ein „Blutzucker-Hormon“. Es wirkt anabol, fördert also den Muskelaufbau durch die Aufnahme von Aminosäuren und bremst den Abbau von Muskelmasse. Dementsprechend verloren in der Studie die Frauen, die eine niedrigere Insulinsensitivität hatten, mehr Muskelmasse als die Frauen mit höherer Insulinsensitivität.
Die gute Nachricht: Muskeltraining schützt auch bei niedriger Insulinsensitivität
Die Probandinnen in der Diät + Muskeltraining-Gruppe konnten ihre Muskelmasse halten und zum Teil sogar erhöhen, während die Nur-Diät-Gruppe und die Diät + Ausdauertraining-Gruppe wie erwartet Muskelmasse verlor. In den Gruppen mit Muskel- oder Ausdauertraining war der Zusammenhang zwischen Insulinsensitivität und Muskelmassenverlust deutlich abgeschwächt. Das spricht dafür, dass vor allem das Training – und weniger das Stoffwechselprofil – darüber entscheidet, wie gut die Muskulatur erhalten bleibt.
Fazit
Für die Prävention und für gesundes Abnehmen gilt:
- Ausdauertraining ist gut, aber reicht allein nicht aus!
- Kaloriendefizit (Grundumsatz jedoch abdecken und auf genügend und hochwertige Proteinzufuhr achten) + Muskeltraining ist der Weg, Fett zu verlieren und Muskulatur bestmöglich zu erhalten – und zwar weitgehend unabhängig von der Insulinsensitivität.
- Wichtig: Selbst ohne Kaloriendefizit verbessert Muskeltraining die Stoffwechselgesundheit und die Körperzusammensetzung!
Quelle: https://www.fit-praevention.de/blogartikel25#muskelabbau
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