Wenn Schmerz bleibt: Warum Forscher den Blick auf Mikronährstoffe richten.
November 17, 2025
Andauernde Schmerzen zählen heute zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen und betreffen Millionen Menschen. Rücken, Gelenke, Kopf, Muskeln: Was mit einem vorrübergehenden Ziehen beginnt, entwickelt sich bei vielen zu einem nervenraubenden Alltags-Begleiter. Doch warum hören manche Schmerzen einfach nicht mehr auf? Neben bekannten Ursachen wie Entzündungen, Fehlhaltungen und Stress rückt nun ein weiterer, oft übersehener Faktor in den Fokus der Forschung: Der Mikronährstoffstatus.
Andauernde Schmerzen – ein unterschätztes Volksleiden.
Laut Deutscher Schmerzgesellschaft e. V. leiden rund 23 Millionen Deutsche, also etwa 28 Prozent der Erwachsenen an Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Während Schmerzmittel meist nur die Symptome lindern, bleibt die eigentliche Ursache meist unklar. Nun liefert eine aktuelle Untersuchung1 neue Hinweise auf einen bislang unterschätzten Zusammenhang zwischen Nährstoffstatus und Schmerzintensität.
Was passiert bei Schmerzen im Körper?
Schmerz ist eigentlich ein Alarmsignal des Körpers. Wird der Reiz jedoch dauerhaft, verändert sich das Nervensystem:
- Nervenzellen reagieren überempfindlich, auch auf harmlose Reize.
- Es entsteht eine Art „Schmerz-Gedächtnis“ – der Körper vergisst, den Alarm wieder auszuschalten.
- Entzündungsprozesse, oxidativer Stress und ein gestörter Zellstoffwechsel verstärken diesen Kreislauf.
- Hier kommen Mikronährstoffe ins Spiel: Sie liefern Bausteine vieler Regenerationsprozesse. Fehlen sie, kann sich das Nervensystem u. U. schlechter beruhigen, der Schmerz bleibt bestehen.
Neue Hoffnung bei Schmerzen: Was die Forschung jetzt zeigt
In der Fachzeitschrift Pain Practice veröffentlichten Forschende der University of Arizona Health Sciences eine Querschnittsanalyse zwischen Mikronährstoffversorgung und Schmerzen. Dazu wurden Daten aus der groß angelegten Gesundheitsstudie „All of Us“ ausgewertet, mit über 10.000 Teilnehmenden.1 Die Forschenden teilten die Personen in Gruppen ein: Ohne Schmerzen, milde bis moderate Schmerzen, starke andauernde Schmerzen. Anschließend verglichen Sie die Blutwerte von fünf zentralen Mikronährstoffen:
- Vitamin D
- Vitamin B12
- Folsäure
- Magnesium
- Vitamin C
Das Ergebnis:
Deutlich niedrigere Werte bei Schmerzpatienten. Menschen mit starken Schmerzen hatten signifikant niedrigere Mikronährstoffspiegel, teils weit unterhalb des empfohlenen Bereichs. Besonders auffällig: Je stärker der Schmerz, desto niedriger die Nährstoffwerte.
Diese Mikronährstoffe spielen dabei im Körper entscheidende Rollen:
- Vitamin D spielt zum Erhalt der normalen Muskelfunktion und normaler Knochen eine Rolle.
- Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei und unterstützt Energiestoffwechsel und Zellteilung.
- Folsäure unterstützt ebenfalls die Zellteilung und zudem die normale Aminosäuresynthese.
- Magnesium unterstützt die normale Funktion des Nervensystems sowie der Muskeln.
- Vitamin C hilft unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und unterstützt die Kollagenbildung zum Erhalt von Knochen und Knorpel.
Was bedeutet das für uns?
Die Forschenden schließen daraus: Eine gezielte Optimierung des Nährstoffstatus könnte helfen, Schmerzen zu reduzieren oder zu regulieren. Ein Mangel ist nicht automatisch die Ursache andauernder Schmerzen – kann diese aber verstärken oder aufrechterhalten.
Damit wird klar: Bei anhaltenden Schmerzen lohnt es sich, nicht nur den Schmerzort zu betrachten, sondern den Blick auch auf die Zell- und Nährstoffebene zu richten.
Wie Ernährung bei Schmerzen helfen kann: Ein Überblick
Schmerzen haben viele Gesichter und viele Ursachen. Entsprechend unterschiedlich wirken auch die Ansätze wie Ernährung unterstützen kann.
- Entzündliche Schmerzen (z. B. Rheuma)Hier ist eine anti-entzündliche Ernährung entscheidend. Viel Gemüse und Obst, hochwertige Pflanzenöle, Gewürze und hochwertige Omega-3-Quellen wirken entzündungshemmend und sind reich an Antioxidantien (Vitamin C und E, Selen und Zink), die die belasteten Zellen vor oxidativem Stress schützen. Gleichzeitig ist wichtig, so gut wie möglich stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Transfette zu reduzieren.
- NervenschmerzenDas Kommunikationsnetz des Körpers empfängt Reize, verarbeitet sie und steuert über Nervenbahnen, wie wir auf Schmerz reagieren. Dabei ist das Nervensystem auf bestimmte Mikronährstoffe angewiesen (Magnesium, Biotin, Vitamin C, Vitamin B1, B6, B12, Jod), die dessen Funktion unterstützen.
- Gelenkschmerzen und VerschleißHier spielen Ernährung und Mikronährstoffe für den Aufbau von Knorpel und Geweben eine Rolle. Vitamin C etwa unterstützt die normale Kollagenbildung für Knochen und Knorpel, Mangan die Bindegewebsbildung.
Der gemeinsame Nenner: Ernährung wirkt nicht direkt wie ein Schmerzmittel, sondern unterstützt die biologischen Prozesse, die den Körper belastbar und regenerationsfähig halten. Oft greifen verschiedene Faktoren ineinander – etwa Verschleiß, Nervenreizung und Entzündungen. Umso wichtiger ist es, den Körper ganzheitlich zu unterstützen – und genau hier kann eine umfassende Mikronährstoffversorgung einen Unterschied machen.
Die Erkenntnis, dass unsere Ernährung bei Schmerzen eine zentrale Rolle spielen kann, ist schon seit einigen Jahren in der Forschung bekannt. Schon frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Ernährung und Nährstoffstatus mit Dauer-Schmerzen in Zusammenhang stehen. Eine systematische Übersichtsarbeit2 kam bereits 2020 zu dem Ergebnis, dass bestimmte Mikronährstoffe, darunter Zink, Magnesium, Folsäure und B-Vitamine, mit der Schmerzintensität und -empfindlichkeit in Verbindung stehen können. Die Forscher analysierten zwölf relevante Studien zu andauernden muskoskelettalen Schmerzen, also Beschwerden, die Knochen, Muskeln, Gelenke oder Rücken betreffen.
Fazit
Schmerzen und Mikornährstoffe hängen enger zusammen, als man denkt: Vitamine und Spurenelemente unterstützen unser Nervensystem auf vielfältige Weise – und die Forschung liefert immer neue, überraschende Erkenntnisse über dieses fein abgestimmte Zusammenspiel.
Quelle: LaVita
Bild- und Quellennachweise:
1 Studie Goon, M., et al. (2025), Micronutrients and Chronic Pain: A Cross-Sectional Analysis. Pain Pract, 2025.
2 Elma, Ömer et al. “Do Nutritional Factors Interact with Chronic Musculoskeletal Pain? A Systematic Review.” Journal of clinical medicine vol. 9,3 702. 5 Mar. 2020.